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oralee
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 257

BeitragVerfasst am: 21.05.2008, 19:45    Titel: Tafelgeschirr Antworten mit Zitat   

Ein Geschenk an alle Sinne: das richtige Glas
Die Diskussion um das richtige Glas nimmt mittlerweile Formen an wie die um den passenden Wein zu jedem Gericht. Dabei kann ein Glas keine Wunder wirken - die Qualität der Spirituose ist immer noch Voraussetzung. Das Glas selbst kann die Qualität transportieren und Gutem das Beste entlocken. Deshalb also ist das passende Glas in der Tat sehr wichtig!
Vor der Form kommt die Transparenz - ein ehrliches Glas ist immer farblos und vollkommen durchsichtig. Beim Genuss edler Spirituosen sind schließlich alle Sinne gefragt: der Sehsinn ist entscheidend für den ersten Eindruck. Ein tief dunkler Wein beispielsweise wird sofort als rassig und schwer empfunden. Die Vorfreude steigt ... Volumen und Form des Glases sind im Idealfall auf den Charakter des Getränks abgestimmt, um den wahren Geschmack nicht zu verfälschen. Intensiver entfaltet sich der Duft durch das Schwenken des Glases. Wie ein Duft empfunden wird, ist dabei höchst subjektiv. Der menschliche Geruchssinn kann mehrere hundert verschiedene Aromen definieren. Wie das Getränk dann im Mund ankommt, höngt von der Glasform, dem Volumen, dem Durchmesser und dem Rand ab. Ein geschliffener Mundrand lenkt den Schluck anders auf die Zunge und den Gaumen als ein Rollrand. Auch über den Abgang entscheidet die Glasform. Optimal ist das Glas dann, wenn im Mund die angenehme Erinnerung und die Vorfreude auf den nächsten Schluck übrig bleiben...

Angestoßen übrigens wird Bauch an Bauch, niemals mit dem Rand oder gar der Bodenplatte! Kleine Glas-Volumina konzentrieren den Duft und eignen sich für Spirituosen, die ihre Aromen bereitwillig frei geben. Gehaltvolle Getränke, vor allem Brandy oder Weine wie der Chardonnay oder ein Riesling Spätlese müssen atmen und brauchen deshalb ein größeres Volumen. Große Kelche, die selbst in Restaurants oft vorwiegend der opulenten Dekoration wegen befüllt werden, sollten bevorzugt für Weine verwendet werden, die viel Sauerstoff brauchen, um ihre ganze Pracht zu entfalten - der Syrah zum Beispiel. Burgunder und Barolo wiederum schätzen eine große Glasöffnung, um Zunge und Gaumen beinahe gleichzeitig mitzureißen. Das ideale Sherryglas orientiert sich noch immer am spanischen Original, wie es die Weinbauern dort erfanden. Es ist schlank und hoch und fördert feine Fruchtaromen. Cognac wurde lange aus Schwenkern genossen, bis sich herausstellte, dass die große Oberfläche zu viel Gutes verdunsten ließ. Schärfe und Alkohol waren dominant. Der geeignetere Cognacschwenker ist schmäler, höher und hat einen geringeren Durchmesser. Feine Brände werden nicht im Stamperl, sondern in Gläsern mit nach innen gewölbter Rundung genossen. Das Glas sollte nur zur Hälfte gefüllt sein, damit sich das Bouquet sammeln kann.

Was letztendlich in welchem Glas genossen wird, haben allein Sie in der Hand. Zum Wohl also...
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